„Dein Gesicht für Joachim Gauck“ – Nachricht an Steffi Lemke
15. Juni 2010 von thdIch möchte im folgenden gerne einen Nachricht dokumentieren (und zur Diskussion stellen), die ich eben über Facebook an die grüne Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke geschrieben habe – die mich per Facebook-Nachricht zur Teilnahme an der Aktion „Dein Gesicht für Joachim Gauck“ aufforderte und dabei unter anderem schrieb, dass es darum ginge, „den Wahlmännern und Wahlfrauen der Union und FDP zu zeigen, dass Parteitaktik bei dieser Wahl fehl am Platze ist“.
Liebe Steffi,
Du schreibst ich solle an der Aktion „Dein Gesicht für Joachim Gauck“ teilnehmen, um „den Wahlmännern und Wahlfrauen der Union und FDP zu zeigen, dass Parteitaktik bei dieser Wahl fehl am Platze ist“.
Ist das nicht ein bisschen zynisch? Als ob es keine „Parteitaktik“ der Opposition wäre, Joachim Gauck zu präsentieren, um damit die Regierungskoalition in Bedrängnis zu bringen. Nicht, dass ich das für „unzulässig“ oder „verwerflich“ hielte – aber sich dann im Brustton der moralischen (Schein)Überlegenheit gegen „Parteitaktik“ auszusprechen ist schon ein bisschen arg dick aufgetragen.
Nicht, dass nicht – neben dem Parteitaktischen – sehr viel für Joachim Gauck als Bundespräsident spräche. Aber so zu tun, als habe die bei Rot-Grün keine Rolle gespielt, verkauft die von Dir angeschriebenen echt ein bisschen für dumm. Zumal man – wenn es tatsächlich um Joachim Gauck und nicht sogar vorrangig (das ist nun meine Einschätzung, die man sicher nicht teilen muss) um Parteitaktik gegangen wäre, im Vorfeld wohl versucht hätte, die Linkspartei mit einzubinden. Wenn ihr das – entgegen den öffentlichen Äußerungen von Herrn Gysi – tatsächlich getan haben solltet, bitte ich um Aufklärung. Wenn nicht – müsst ihr euch diese Kritik wohl gefallen lassen.
Mit vielen (herzlichen!) Grüßen aus Freiburg,
Thorsten
Eine Kulturgeschichte der Talkshow? – Versuch einer durchaus bösartigen Polemik
18. Mai 2010 von jwAngeregt von Hans-Jochen Vogel, dem bei Sandra Maischberger seine Verachtung für das Konzept Politiktalkshow ins Gesicht geschrieben stand, habe ich mich für den u-boten (Zeitung des u-asta in Freiburg) an einer Polemik über Politiktalkshows versucht. Vor hatte ich das schon lange mal, konkreter Anlass war in diesem Fall aber das neue Heft „Irgendwas mit Medien“, das am kommenden Donnerstag erscheinen wird! Hier gibts den Artikel schon vorab:
Wenn irgendwann eine Kulturgeschichte der Talkshow geschrieben werden wird, könnten HistorikerInnen zwei Entwicklungsstränge ausmachen: einerseits die im Deutschland der 90er Jahre populären Nachmittagtalkshows nach amerikanischem Vorbild, die zur Erheiterung der Zuschauer gerne auch Krawall enthielten und heute nicht einmal mehr durch den inflationären Einsatz von Lügendetektortests interessant erscheinen können. Andererseits die politische Gesprächsrunde, deren Ursprünge im deutschen Fernsehen irgendwo zwischen den Elefantenrunden am Wahlabend und dem internationalen Frühschoppen anzusiedeln sind. Sieht man einmal vom Presseclub ab, so sind letztere in ihrer Reinform aus dem deutschen Fernsehen längst verschwunden. Stattdessen talkt sonntags Anne Will, mittwochs Frank Plasberg und irgendwann – an welchen Tagen hat man schon längst vergessen – beglücken uns Maybrit Illner und Sandra Maischberger mit illustren Runden.
Professionelle Krawallmacher und die Auswahl der Gäste
Es ist eine merkwürdige Vermischung dieser beiden Talkshowstränge, die man vielleicht den U(nterhaltungs)-Strang und den I(nformations)-Strang nennen könnte, welche die heutigen Politiktalkshows – seien sie öffentlich rechtlich oder privat – auszeichnet. Allein die Gästezusammenstellung einer beliebigen dieser politischen Talksendungen zeigt wie deutlich der U-Strang auf die Politikrunden abgefärbt hat. Da werden Krawallmacher gesucht und gefunden: Im Schweizer Journalisten Roger Köppel, der mittlerweile zu fast jedem Thema bei Anne Will randarf, im PR-Berater Klaus Kocks, Einstecktücher am Sakko noch eine seiner angenehmeren Eigenschaften sind oder in Ruhrpottmacho Rudi Assauer, dessen Auslassungen über Homosexuelle im Fußball nur seine eigene Borniertheit beweisen. Den ganzen Beitrag lesen »
Abschied von der Doppelspitze?
16. Mai 2010 von jkDer grüne Landesvorstand hat Winfried Kretschmann als Spitzenkandidaten und Bärbl Mielich MdL, Gisela Splett MdL sowie Andreas Schwarz (GAR-Vorsitzender) als Spitzenteam vorgeschlagen. „Ernannt“ (so die PM) werden sollen sie auf einer Landesausschusssitzung am 26.6. in Mannheim. Daran könnte ich jetzt viel rummäkeln: Wieso wird vom LaVo überhaupt „vorgeschlagen“ und nicht ausgeschrieben? Wieso entscheidet der Landesausschuss (kleiner Parteitag) und keine LDK? Aber ich finde etwas anderes interessanter: Verabschieden sich die Grünen langsam aber sicher von der Doppelspitze? Schließlich ist Kretschmann alleiniger Fraktionsvorsitzender und alleiniger Spitzenkandidat und die Doppelspitze wird aus verschiedensten Motiven immer mal wieder angegriffen. Den ganzen Beitrag lesen »
Ganz kurz: Unterwegs nach Biblis zur AKW-Umzingelung
24. April 2010 von thdNachdem ich mich gestern spontan entschlossen habe, doch noch zur AKW-Umzingelung nach Biblis zu fahren und den dortigen Ermittlungsausschuss (EA) bei seiner Antirepressionsarbeit zu unterstützen, sitze ich nun im EWS-Sonderzug nach Biblis.
Über Twitter werde ich versuchen ein wenig „Live-Berichterstattung“ zu betreiben; außerdem verfolgt die taz alle Anti-AKW-Proteste heute per Live-Ticker.
„Zimmer frei“ im Freiburger Rathaus
23. April 2010 von thdPodiumsdiskussion der OB-Kandidaten an der Uni
Auf Einladung der Landeszentrale für politische Bildung (lpb), des Colloquium Politicum der Uni Freiburg sowie der Grünen- und der Juso-Hochschulgruppe waren die drei Oberbürgermeisterkandidaten Ulrich von Kirchbach (SPD), Günter Rausch (WiR) und Dieter Salomon (B90/Die Grünen) zum “WG-Casting” frei nach der WDR-Sendung “Zimmer frei” in der Aula der Freiburger Universität zu Gast. Es sollte ein zugleich spannender und in mancherlei Hinsicht aufschlussreicher Abend werden.
FDP gegen Alkoholverbote: Keine Verschärfung des Polizeigesetzes
20. April 2010 von thdEine erfreuliche (Wieder)Entdeckung der Bürgerrechte auf Seiten der (ehemals?) nur noch Wirtschaftsliberalen: In erfreulich deutlichen Worten (die in der Argumentation stark an die Pressemitteilungen des Freiburger akj [PDF] erinnern) hat sich heute die FDP-Landesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende im Bundestag Birgit Homburger gegen das von der Landes-CDU geforderte und jüngst aus den Reihen der SPD-Landtagsfraktion unterstützte Verschärfung des Landespolizeigesetzes zur Ermöglichung kommunaler Alkoholverbote gewandt: Dabei ginge es um „Symptombekämpfung“ und die „Verlagerung von Problemen“, nicht aber um deren Lösung. Ähnlich die Jungen Liberalen, die seinerzeit ja auch schon den erfolgreichen Normenkontrollantrag des Freiburger akj gegen das hiesige Alkoholverbot unterstützt hatten: Gefordert seien „Personal und Prävention statt Generalverdacht“.
Ähnlich deutliche Worte würde ich mir auch von den Landes-Grünen wünschen, die aber wohl noch keine einheitliche Linie gefunden haben – gut denkbar, nachdem bereits die Reaktionen auf das VGH-Urteil zum Freiburger Alkoholverbot eher uneinheitlich und im Falle der Landtagsfraktion geradezu konfus waren. Mit schlechtem Beispiel voran ging bereits die Freiburger Grünen-Abgeordnete Edith Sitzmann, als sie in der vorletzten Ausgabe des „Sonntag in Freiburg“ meinte, solche Verbote müsse man Kommunen ermöglichen – und damit gar Zustimmung zur Gesetzesverschärfung der Landesregierung signalisierte.
Bleibt noch zu hoffen, dass die FDP-Regierungsmitglieder und ihre Landtagsabgeordneten das genauso sehen – und gegen den Koalitionspartner durchhalten – wie ihre Landeschefin und der Parteinachwuchs.
Fundstück: Dieter-Salomon-Spot 2001
15. April 2010 von jkAuf Dieter Salomons Homepage gibt es – neben nicht besonders spannenden Aufnahmen von Reden – drei hübsche Wahlkampfspots. Auf der Suche nach älteren Sachen bin ich dann auf jenes großartige Wahlkampfprodukt von der Landtagswahl 2001 gestoßen:
Verdeckte Ermittlung – Auf der WiR-Veranstaltung zu Bürgerbeteiligung
11. April 2010 von jkFür mich als Politikwissenschaftler sind politische Auseinandersetzungen häufig unglaublich anstrengend, weil ich ständig das Bedürfnis habe, den anderen erstmal ausführlich die theoretischen und empirischen Grundlagen zu erklären. Auf Wahlkampfveranstaltung wie der von WiR zu Bürgerbeteiligung am Freitag war das dann entsprechend hart. Ständig kamen mir Gedanken wie „Herr, gib ihm eine Einführung in die Demokratietheorie!“ oder „Wer keine Ahnung vom Parteiensystem hat, einfach mal Fresse halten.“
Den ganzen Beitrag lesen »
Über Scheinfragen, Störungen und den Bärendienst
22. März 2010 von jw„Ich dachte, du wolltest dir nicht so viele Podiumsdiskussionen ansehen“, wurde ich aus Reihen der SPD vergangenen Freitag bei der Podiumsdiskussion des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zur OB-Wahl im Café Velo begrüßt. Wollte ich auch nicht, aber die zum Bildungsthema wollte ich auch nicht verpassen. Allerdings auch ziemlich viele Menschen nicht, die ich schon auf anderen Podiumsdiskussionen gesehen habe. Mit einigen unterhalte ich mich regelmäßig, über andere amüsiere ich mich.
Wieso ich mich amüsiere? Es ist logisch, dass Anhänger bei Podiumsdiskussionen „ihre Kandidaten“ unterstützten. Auch wenn ich es selber nicht praktiziere, kann ich verstehen, wenn man nur bei „seinem Kandidaten“ klatscht, auch wenn andere Kandidaten durchaus richtige Dinge sagen. Was ich allerdings nicht verstehen kann, ist wenn andere Kandidaten durch Zwischenrufe unterbrochen werden, ihre Äußerungen durch betontes „Aufstöhnen“ oder Lachen ins Lächerliche gezogen werden oder die Podiumsdiskussionen durch als Fragen getarnte Statements der immer wieder selben Unterstützter kommentiert werden. Den ganzen Beitrag lesen »

