Hochbegabt auf Zeit

Tja, sie haben’s tatsächlich getan. Vor wenigen Tagen flatterte ein Ablehnungsbescheid in meinen Briefkasten – ein Bescheid der Uni Freiburg, der mir freundlich aber bestimmt klarzumachen versuchte, dass ich doch leider meine „Hochbegabung“ verloren hätte – vom 9.1.2007 an nämlich. Was war mir also passiert, an diesem 9.1.? Schwerer Unfall mit Schädeltrauma? Glücklicherweise nicht. Nein, das Ende meiner Hochbegabung wurde besiegelt durch die erfolgreiche Ableistung meiner ersten juristischen Staatsprüfung. Richtig: Durch die erfolgreiche Ableistung. Was wie ein böser Traum klingt, ist bittere Hoschschulwirklichkeit, jedenfalls an der Universität Freiburg. Die hat sich nämlich entschlossen, § 6 Abs. 1 S. 2 Landeshochschulgebührengesetz, der die Studiengebührenbefreiung bei „weit überdurchschnittliche[r] Begabung“ ermöglicht, dahingehend auszulegen, dass von Begabtenwerken geförderte Studierende als in diesem Sinne „hochbegabt“ gelten und deswegen keine Studiengebühren bezahlen müssen. Ohne Ansehen des sozialen Hintergrunds, übrigens – die Sinnhaftigkeit dieser Regelung mag dahinstehen.

Nun war ich in der glücklichen Position, von einem dieser besagten Förderwerke tatsächlich gefördert zu werden – in den Augen der Uni Freiburg also „hochbegabt“. Nur beschränkt sich diese Förderung üblicherweise auf einen Studiengang – in meinem Fall den rechtswissenschaftlichen. Da ich gleichzeitig seit dem ersten Semester noch Politikwissenschaften als Magister-Hauptfach studiere, war mein Studium mit dem ersten juristischen Staatsexamen aber noch nicht abgeschlossen. Ich brauche noch schätzungsweise 2 oder 3 Semester, um den Magister zu machen.

Aber das braucht die Uni Freiburg ja nicht zu interessieren: Wer nicht gefördert wird, ist nicht hochbegabt – so in aller Kürze die Begründung des Ablehnungsbescheids. Oh – und ich könnte natürlich noch bei „Mensa“, einer in meinen Augen eher zweifelhaften Einrichtung, einen IQ-Test machen. Bestünde ich den mit 130 oder besser, würde ich für 3 Semester befreit.

Aha. Dann also „hochbegabt“ für weitere 3 Monate? Und danach dann wieder „normal“ – oder so?

Von der „Hochbegabten“befreiung an sich mag man halten, was man will (mir erscheint sie eher fragwürdig) – diese Praxis der Uni Freiburg grenzt jedenfalls an Willkür und überschreitet die Grenzen des Gesetzeswortlauts. Und sie wird in Kürze das hiesige Verwaltungsgericht beschäftigen.

2 Kommentare zu “Hochbegabt auf Zeit”

  1. blog.konstantin- goerlich.de » Blog Archive » Grenzen der Hochbegabung.

    […] angesehen wurde, ist nun tatsächlich so umgesetzt worden, wie Thorsten auf gruenesfreiburg.de berichtet. Neues Futter für den AK Klage und das […]

  2. Till Westermayer

    Wie wär’s damit: IQ als Befreiungstatbestand?

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