Metzger verlässt Grüne
Wie verschiedene Medien (TAZ, SPON, FAZ, SZ) fast wortgleich berichten, hat Oswald Metzger MdL wegen eines „persönlichen und programmatischen Entfremdungsprozesses“ heute seinen Austritt aus Partei und Fraktion erklärt.
Ich finde es persönlich schade, denn darunter leidet die Vielfalt der Partei. Die Grünen sind nur dann erfolgreich, wenn sie ein breites Spektrum und unabhängige Persönlichkeiten integrieren: Von Ströbele bis Metzger. Trotzdem fällt es mir schwer zu trauern. Insbesondere seine Selbstdarstellung als einzig vernünftig Denkender, die Begründung seiner Position als die einzige Wahrheit (ein bei Neoliberalen weit verbreiteter Stil) ging nicht nur mir verdammt auf die Nerven.
Sollte er, wie angekündigt später in einer anderen Partei bundespolitisch aktiv werden, muss er sich auf weniger Aufmerksamkeit einstellen. Dort ist er einer unter vielen. Sein Alleinstellungsmerkmal (das eigentlich keines ist), das er bei den Grünen hatte, würde er damit verlieren. In dieser Hinsicht war sein Austritt sicherlich ein Fehler.
Dass die vielen öffentlichen Angebote nur seiner Persönlichkeit geschuldet sind, kann getrost bezweifelt werden. Hier bietet sich für CDU und FDP eine einzigartige Chance die Grünen zu schwächen und Wähler zurückzugewinnen.
Großen Respekt habe ich davor, dass er – anders als zum Beispiel Heike Dederer, die ihm ihren Schritt nahe legte – sein Mandat abgeben und nicht sofort zu einer anderen Partei wechseln wird. Andernfalls hätte die CDU die absolute Mehrheit im Stuttgarter Landtag gehabt.
Ob sich Metzger mit seinen widerlichen Aussagen über Sozialhilfeempfänger und dem Kokettieren, um einen Austritt selber in eine Position manövriert hat, in der er im Prinzip keinen Entscheidungsspielraum mehr hatte oder das alles als Märtyrer-Abgang lang geplant war, ist dem Spekulieren überlassen.
Ein Austrittswelle von wirtschaftsliberalen Grünen ist jedenfalls kaum zu erwarten, denn entgegen Metzgers Darstellung ist deren Position (man schaue sich nur die Mehrheitsverhältnisse in der Fraktion an) weitgehend unerschüttert.
Ich hoffe, dass Metzgers Position nie Mehrheitsmeinung wird, aber trotzdem gehört sie irgendwie dazu.
Am 27. November 2007 um 16:59 Uhr
Es gibt inzwischen auch eine Pressemitteilung des grünen Landesverbandes BaWü dazu.
Am 27. November 2007 um 17:24 Uhr
Die Medien hatten auf der BDK ja so ungefähr jedem das Mikro vor die Nase gehalten – mein Kommentar dazu war, dass er sich in eine Sackgasse manövriert hat: bei den Grünen durch die fehlende Entschuldigung & Einsicht „verbrannt“, bei anderen Parteien langweilig, weil dort im Kanon der Mehrheitsmeinung untergehend. Und die viel beschworene „Kompetenz“ scheint mir in letzter Zeit immer öfter Möchtegern-Prominenz gewesen zu sein.
Am 27. November 2007 um 18:38 Uhr
«Offenburger Tageblatt» zu Oswald Metzger
Oswald Metzger, der Aufrechte, ist von den Grünen gegangen. Dem
gepriesenen Querdenker wird für seine konsequente und geradlinige
Entscheidung massenweise Respekt gezollt. Die Lobhudler übersehen
dabei eines: Metzger nervte mit seiner Besserwisserei die Grünen seit
Jahren. Politisch ist er mit seinem Austritt komplett gescheitert. Und
er hat weniger bewegt als CSU-Schreckgespenst Gabriele Pauli. Die
bugsierte mit ihrem Aufstand wenigstens Edmund Stoiber aus dem Amt des
bayrischen Ministerpräsidenten. Der Ex-Grüne hingegen kann von sich
nur behaupten, dass er Hartz IV-Empfänger als Chips essende und Bier
trinkende Versager beleidigte. Also Oswald Metzer verlässt die Grünen
na und?