Australia says „sorry“

Der erst kürzlich gewählte australische Premierminister Kevin Rudd hat heute morgen einen von australischen Aboriginal people seit langem erwarteten Schritt endlich getan: Er hat sich in einer Ansprache vor dem Parlament offiziell für das Unrecht entschuldigt, dass die australische Regierung bis in die 1970er Jahre der sog. „stolen generation“ angetan hatte.

Aber warum schreibe ich dazu auf GruenesFreiburg? Weil es mich, der 2004 ein Jahr lang im australischen Sydney studiert hat, damals doch sehr schockiert hat, wie die australische (Mehrheits-)Bevölkerung mit diesem Thema bzw. mit den Aboriginal people im Allgemeinen umgeht. Und weil die Frage nach einer offiziellen Entschuldigung schon den damaligen Bundes-Wahlkampf beschäftigt hat. Der damals im Amt bestätigte John Howard der konservativen Liberal Party wollte von einer Entschuldigung aber nichts wissen.

Nun ist die australische Gesellschaft also endlich ein Stück weitergekommen mit ihrer Vergangenheitsbewältigung und auf dem Weg in eine hoffentlich gemeinsame Zukunft aller Australier. Wie unter anderem die deutsche taz aber zurecht kritisch anmerkt, ist es damit nicht getan: So wichtig diese Entschuldigung allein wegen ihres symbolischen Gehalts ist, so unzureichend wäre sie, wenn ihr nicht auch „Taten“ folgten. Der prinzipielle Ausschluss von Entschädigungszahlungen (wobei man sich sicher fragen darf, ob man dieses Unrecht überhaupt mit Geld entschädigen kann) durch Premierminister Rudd lässt hier jedenfalls auf den ersten Blick nichts Gutes erhoffen.

Aber vielleicht kommt die australische Gesellschaft irgendwann an einen Punkt, an dem auch andere als PolitikerInnen der australischen Grünen vor jeder ihrer Reden zunächst einmal anerkennen, dass sie sich auf „Aboriginal land“ befinden. Nicht in den Reden, wohlgemerkt – eher in den Köpfen.

Ausführlich zur heutigen Entschuldigung: Der Sydney Morning Herald.

Ausführlich zur „stolen generation“ das englische Wikipedia.

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