„Wohlwollende Kritik“

Ein Fundstück aus einem Gysi-Interview:

„Natürlich muss auch Oskar Lafontaine Kritik vertragen können – aber aus den eigenen Reihen generell intern, und sie muss etwas Wohlwollendes haben.“

„Und deswegen hat niemand in unserer Partei das Recht, einen Erfolgsmenschen wie Lafontaine zu beschädigen.“

Soviel zum Demokratieverständnis der Linkspartei.

3 Kommentare zu “„Wohlwollende Kritik“”

  1. Filtor

    Die Äußerungen kommen mir ziemlich normal vor. Bei den Grünen mäkeln auch Leute rum, wenn Auseinandersetzungen innerhalb der Spitze öffentlich ausgetragen werden.
    Woher kommt dieses Abgrenzungsbedürfnis zur Linkspartei? Wirkt auf auf Außenstehende etwas reflexhaft. Zumal es um die innerparteiliche Demokratie bei der Linkspartei sicher nicht schlechter bestellt ist als bei der SPD (von FDP und Union mal ganz zu schweigen). Und die Grünen haben in dieser Hinsicht leider auch viel vom gewaltigen Vorsprung der 80er Jahre eingebüßt.

  2. jk

    Das die Kritik „wohlwollend“ sein „muss“ ist zumindest eine sehr eigenartige Formulierung und das Erfolg einen Freibrief darstellt, entspricht nicht unbedingt meinen Vorstellungen.

    Ich sehe das auch im Kontext von Äußerungen mir bekannter Linksparteiler und ex-Linksparteiler, die sich immer wieder über den autoritären Stil in ihrer Partei aufregen. Im Gegensatz zur Linkspartei erheben CDU, FDP und SPD in dieser Hinsicht keinen emanzipativen Anspruch. Dort gehört Geschlossenheit zur offen geforderten Parteitugend (Sie auch der Umgang mit Dagmer Metzger MdL). „SPD-Vorsitzender fordert Disziplin“ wäre so gesehen, eine Nachricht, wie „Hund beißt Mann.“

    Die Entwicklung der innerparteilichen Demokratie bei den Grünen sehe ich auch kritisch, allerdings, wenn man sich die letzten Parteitage anschaut, sieht man, dass da noch ne Menge vorhanden ist. An dieser Stelle sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass die 80er auch nicht unbedingt rosig waren.

  3. jk

    Nachtrag: Das Kritik zuerst intern geäußert werden sollte, ist völlig richtig.

    Zum Thema gibt es ein interessantes Buch namens „Grüne Theorie und graue Wirklichkeit: die Grünen und die Basisdemokratie.“ Autor: Ein gewisser Dieter Salomon.

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