Wolfgang-Jäger-Platz?

Heute ist der letzte Arbeitstag von Unirektor Wolfgang Jäger, der sich von nun an wieder verstärkt der Wissenschaft widmen will, so seine Aussage in einem Interview mit Dem Sonntag. Während Jäger erstmal 13 Jahre Forschungsrückstand aufliest, machen sich andere Gedanken um seinen Ruhm in der Nachwelt (wir Mediävisten nennen das Memoria).

Die Badische Zeitung berichtet:

RCDS fordert einen
Wofgang-Jäger-Platz
Heute, am Tag vor dem 1. April, absolviert Uni-Rektor Wolfgang Jäger seinen letzten Jahrestag. Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) will den scheidenden Chef der Alma Mater mit einer besonderen Ehrung beglücken, wie gestern verlautete. RCDS-Vorsitzender Thomas Volk fordert, dass ein Wolfgang-Jäger-Platz geschaffen wird — wo der liegen soll, lässt der RCDS allerdings offen. „Rektor Jäger ist in den vergangenen Jahren zu einer Marke geworden. Niemand zuvor wurde so sehr mit der Universität Freiburg verbunden“ , schwärmt Volk. Die Freiburger Universität und die Studierenden hätten Jäger viel zu verdanken. Volk stellt außerdem seine enorme Bedeutung für die Stadt Freiburg heraus: „Professor Jäger ist eine Freiburger Persönlichkeit von großer Bekanntheit und Beliebtheit. Der RCDS Freiburg fordert daher die Stadtverwaltung und den Gemeinderat auf, bei zukünftigen Entscheidungen über die Vergabe von Straßen- oder Platznamen auch an Wolfgang Jäger zu denken. „

Ein Super-Vorschlag für den man dem Ehrenvorsitzenden der Schülerunion, RCDS-Vorsitzenden und Ortsvorsitzenden der CDU Brühl/Beurbarung Thomas Volk sofort die goldene Daniel-Sander-Nadel für stumpfsinnige Vorschläge und Mediengeilheit verleihen sollte.

Im Normalfall werden Straßen erst nach bereits Verstorbenen benannt. Dass das einen gewissen Sinn macht, davon weiß die Gemeine Merdingen mit Ihrer „Jan-Ullrich-Straße“ bestimmt ein Lied zu singen. Es schützt einen halt niemand davor, dass der noch Lebende noch eine Menge Unsinn anstellt.

Als Alternative könnte man natürlich – analog der Benennung des Rolf-Böhme-Saals im Konzerthaus – einen Raum der Universität nach Wolfgang Jäger benennen. Dabei müsste es sich aber schon um einen repräsentativen Bau aus der Jäger-Ära handeln (Vorschläge bitte in den Kommentaren).

Übrigens der Mediävist definiert Memoria wiefolgt:

die Überwindung des Todes und des Vergessens durch »Gedächtnis« und »Erinnerung«, bezeichnet fundamentale Bereiche des Denkens und Handelns von Individuen und Gruppen und verweist auf eine Fülle von Gegebenheiten in Religion und Liturgie, Weltdeutungen und Wissen und auf das »kulturelle Gedächtnis« in seinen objektivierten Formen von Memorialüberlieferung in weitestem Umfang: Texte und Bilder, Denkmäler und Riten, Geschichtsschreibung und Dichtung. Im sozialen Sinn ist M. Ausdruck einer religiös begründeten Ethik des »Aneinander-Denkens« und »Füreinander-Handelns« (J. Assmann). Zur M. gehört auch das Sich-Erinnern der Nachwelt, der Ruhm (fama, nomen). Die Erscheinungsformen von M. sind ein spezif. Ausdruck jeder Kultur. (Lexikon des Mittelalters)

Also wie wär es denn stattdessen mit einem Denkmal. Im Uni-Innenhof ist ja noch ein Sockel frei, auf den man – in nächster Nähe zu dem Denkmal für 550 Jahre Uni Freiburg (auch bekannt als die Grabplatte) – einen goldenen Jäger aufstellen könnte.

Der RCDS könnte ja schon mal anfangen Zahngold für die Figur zu sammeln.

7 Kommentare zu “Wolfgang-Jäger-Platz?”

  1. jk

    Seine Ankündigung in die Forschung zurückzukehren verstehe ich eher als Drohung. Aber da kann er weniger Schaden anrichten, als an der Uni.

    Vorschläge für Raumbenennungen:
    Der tolle Eingangsbereich vom KG I – schließlich sollen auch nachfolgende Studigenerationen wissen, wem sie diesen sinnlosen Prunk („das kost ein Heidengeld“) zu verdanken haben.

    Die Toiletten im KG IV (oder anderswo) – eigentlich hätte der RCDS auch selber darauf kommen können, war immerhin über Jahre die zentrale Wahlkampfbotschaft . Ihre Erfolge – die nur dem umsichtigen Walten Jägers in dieser Frage zu verdanken sind – müssen ja auch dargestellt werden.

    Die neue UB – entspricht in ihrer Ufo-Konstruktion der Abgehobenheit und Selbstherrlichkeit Jägers.

    Das Studierendenhaus – hier residieren schließlich seine größten Fans.

    Wenn es ein Denkmal gibt, dann will ich das aber nur als Doppeldenkmal (wie Schiller-Goethe in Weimar) mit Filbinger, der ja auch noch keinen Platz mit seinem Namen beehrt. Ein gute Inschrift wäre: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“

    Außerdem: Ich habe lange nichts mehr von Sander gehört. Aber da jetzt Volk so vorgelegt, muss Sander mitmachen, sonst ist vlt. der JU-Kreisvorsitz in Gefahr. Dann können wir das allseits beliebte Projekt „Sanderwatch – Denken ist Menschenrecht “ widerbeleben.

  2. Till Westermayer

    Naja, Heidegger hat sich ja durchaus auch einen Namen als Unirektor gemacht; ob das als Kriterium für eine Platzbenennung ausreicht, sei mal dahingestellt. Abgesehen davon wollen wir Herrn Jäger ein langes Leben wünschen (ne, echt), dann ist das mit dem Platz aber auch noch ein bißchen hin. Mein Vorschlag: das Rektorat zeichnet sich ja durch prunkvolle Ölgemälde aus (5 Stock oder so, also beim Rektorbüro) – da würde ein 2mx1m-Porträt im holländischen Stil seiner Exzellenz, eh, seiner Magnifizenz durchaus zu passen. In jeder Hinsicht. Und alle NachfolgerInnen ein großes Vor-Bild sein.

  3. Till Westermayer

    ((Wobei es irritiert, dass der RCDS selbst seine PM nicht auf seiner Website hat – und dass der 1. April so hervorgehoben wird.))

  4. till we *) . Blog » Blog Archive » Kurzeintrag: W.-Jäger-Platz?

    […] Kurz vor dem 1. April scheint nun der RCDS Freiburg einen Wolfgang-Jäger-Platz einzufordern, wie GrünesFreiburg berichtet. Was natürlich, wenn es denn stimmen sollte, in mehrfacher Hinsicht Unsinn ist: erstens […]

  5. jw

    @ Till, da hast du natürlich recht, aber bis jetzt hab ich keinen Verweis gefunden, dass es sich um einen Scherz handeln könnte.
    Nun wir werden sehen.

  6. jw

    nun gibt es die Pressemeldung auch auf der Homepage des RCDS

    http://www.rcds-freiburg.de/?Aktuelles

    na prost Mahlzeit

  7. GruenesFreiburg » Blog Archiv » RCDS-Vorsitzender will Zweiklassenwahlrecht

    […] „Stumpfsinnige Vorschläge“ (jw) scheinen bei RCDS und JU nicht nur in Freiburg populär zu sein. Wie die TAZ berichtet, hat der RCDS-Bundesvorsitzende Gottfried Ludewig in einem Brief an die Partei vorgeschlagen, ein doppeltes Stimmrecht für sog. Leistungsträger bei Landtags- und Bundestagswahlen einzuführen. Das Ludewig, auch Mitglied im Bundesvorstand der CDU, ein demokratisches Grundprinzip in Frage stellt, sollte nicht verwundern, schließlich haben ihn während seiner Zeit als AStA-Vorsitzender an der TU Berlin demokratische Prinzipien auch nicht sonderlich interessiert. Ausführliche Informationen über sein Treiben dort gibt es beim astawatch. Welche Konsequenzen innerhalb der CDU das für ihn haben wird, ist leicht absehbar: 2009 gehts in den Bundestag! […]

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