„Blau“ mit Kohlekraft aus Brunsbüttel?
Hatte es der grüne Tübinger OB Boris Palmer mit seiner engagierten Klimaschutzkampagne „Tübingen macht blau“ noch vor wenigen Wochen geschafft, uns hier um den Ökohauptstadt-Status von Freiburg zittern zu lassen, will er dies nun einer Artikelankündigung der aktuellen ZEIT zufolge unter anderem mit der Beteiligung der Tübinger Stadtwerke an einem Kohlekraftwerksneubau in Brunsbüttel schaffen:
„Wir dürfen neue Kraftwerksprojekte nicht um den Preis verhindern, dass alte ineffizient weiter laufen“ sagt er dort. Und wirft dazu noch ein, dass es schließlich um das Überleben seiner Stadtwerke ginge.
Die Frage, die auch Till berechtigterweise stellt, ist aber doch: Ist die Gleichung wirklich so einfach? Natürlich muss man als Freiburger Kritik hier sehr bedacht äußern: Die Umwandlung der Freiburger Stadtwerke zur „badenova“ mit einer relevanten Beteiligung des baden-württembergischen Energieriesen EnBW wird von vielen in der alternativen Energieszene nicht gerade als Ruhmesblatt kommunaler Energiepolitik gesehen. Nichtsdestotrotz: Es geht auch anders – wie nicht zuletzt die Schönauer mit der EWS gezeigt haben. Und zwar ganz „ideologiefrei“: Auch Schönau kann (noch) nicht gänzlich auf nicht-erneuerbare Energien verzichten – und verzichtet dennoch auf Kohlestrom, indem sie auf klimafreundlichere und effizientere Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung setzen.
Wäre das nicht das bessere Beispiel für eine gleichzeitig „nachhaltige“ und „realpolitische“ städtische Energiepolitik gewesen, lieber Boris? Und ist es nicht die typische NIMBY-Verhaltensweise, sich an einem Kraftwerk zu beteiligen, mit dessen gesundheitgefährdenden Emissionen vor allem die Leute rund um Brunsbüttel zu tun haben werden, nicht aber die Tübinger selbst?
Am 22. Mai 2008 um 23:56 Uhr
Schönau ist in der Tat ein gutes Beispiel. Bei wem kauft Schönau seinen KWK-Strom? Richtig, Stadtwerke Tübingen.
Am 24. Mai 2008 um 11:08 Uhr
Lieber Boris,
das habe ich beim Durchsehen des Strommixes von Schönau auch gesehen – sogar eine ganze Menge des Schönau-KWK-Stroms kommt aus Tübingen.
Aber das stellt sich mir doch erst recht die Frage: Warum nicht weiter so?