Etikettenschwindel – Baden-Württemberg will Hauptschule abschaffen!
„Baden-Württemberg schafft die Hauptschule ab“, so titelt nicht nur die Provinzzeitung Südkurier , auch andere Zeitungen, wie die Süddeutsche und der Tagesspiegel gehen der neuesten PR-Ente der Landesregierung auf den Leim.
Was auf den ersten Blick nach Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems aussieht und zumindest eine Hinwendung zu einem ähnlichen System wie in Sachsen aussieht, ist nichts anderes als Etikettenschwindel.
Der Südkurier schreibt:
„In Baden-Württemberg ist die Hauptschule bald Geschichte. Vom Schuljahr 2010/11 an werden Viertklässler keine Hauptschulempfehlung mehr erhalten, kündigte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Mittwoch in Stuttgart an. Die Werkrealschule soll als Weiterentwicklung der seit langem heftig umstrittenen Hauptschule etabliert werden.
An der Werkrealschule können die Schüler nach der zehnten Klasse die mittlere Reife oder nach neun Jahren einen Hauptschulabschluss machen. Das CDU/FDP-Landeskabinett soll in zwei Wochen über das neue Konzept beraten. Es sieht vor, dass Grundschüler eine Empfehlung für die Werkrealschule, für die Realschule oder das Gymnasium erhalten.“
Das dreigliedrige Schulsystem soll also nicht abgeschafft werden, vielmehr handelt es sich bei dieser Aktion der Landesregierung wohl nur um eine PR-Ente um dem wachsenden Druck auf das dreigliedrige Bildungssystem zu umgehen. Außer einer Umbenennung der Hauptschule in „Werkrealschule“ wird sich wohl kaum etwas substantielles ändern.
Zwar hat die Schlagzeile für 30 Sekunden mein Herz höher schlagen lassen, dafür war die Enttäuschung nachher umso größer, aber so ist das wohl in einem CDU regierten Land.
UPDATE: Nicht nur mir ist scheinbar das Wort Etikettenschwindel eingefallen. Hier die Pressemitteilung der Grünen:
„Das ist ein Etikettenschwindel statt der dringend notwendigen grundlegenden Schulreform“, kommentierte der Grünen-Landesvorsitzende Daniel Mouratidis die Ankündigung der Landesregierung sich ab dem Schuljahr 2010/11 von der Hauptschule zu verabschieden und diese durch die Werkrealschule abzulösen. Das Kernproblem der Hauptschule würde dadurch nicht gelöst: „Wo künftig Werkrealschule draufsteht, ist trotzdem Hauptschule drin. Die Abstimmung mit den Füßen wird weitergehen. Auch die Werkrealschule wird sich faktisch zur Restschule entwickeln“, so Mouratidis.
Der Grünen-Landesvorsitzende kritisierte, dass sich durch die Neuerung nichts an der sozialen Selektivität des Schulsystems im Land verändern würde: „Die Schülerinnen und Schüler werden weiter nach der vierten Klasse auf unterschiedliche Schularten sortiert, Kinder mit Migrationshintergrund und aus armen Familien erhalten keine neuen Perspektiven. Bildungsgerechtigkeit wird in Baden-Württemberg weiter ein Fremdwort bleiben.“
und Renate Rastätter kommentiert für die Landtagsfraktion:
„Damit bleibe es bei den Empfehlungen innerhalb eines dreigliedrigen Schulsystems für drei Schularten. „Da wird mit Begriffen jongliert, bloß um am dreigliedrigen Schulsystem nichts ändern zu müssen“, so Rastätter.
Die Landesregierung solle stattdessen – wie es Grüne, Landeselternbeirat und viele andere im Lande schon lange fordern – auf die verpflichtenden Schulempfehlungen grundsätzlich verzichten. Erfolgreiche Weiterentwicklungen des Schulsystems sähen anders aus, ergänzte Rastätter, und verwies auf das bei der letzten PISA-Auswertung erfolgreiche Sachsen: Dort gibt es ein längeres gemeinsames Unterrichten mit nur zwei weiterführenden Schulen, einer Mittelschule und einem Gymnasien.
Rastätter: „Längeres gemeinsames Lernen und individuelle Förderung sind die bildungspolitischen Schlüsselworte für eine zukunftsfähige Bildungspolitik. Der Austausch von Türschildern bringt uns nicht voran. Das Programm der Landesregierung heißt Stagnation.“
Am 27. November 2008 um 12:22 Uhr
Wie schade, dass sich an der heuchlerischen Bildungspolitik dieses Landes seit meiner Schulzeit immer noch nichts geändert hat…das nennt sich dann wohl „institutionelle Kontinuität“ – Frau Schavan hat mit Bildung ja inzwischen nichts mehr zu tun… ;-)
Am 4. Februar 2009 um 10:43 Uhr
[…] „babylonischen Sprachverwirrung“ sprechen. Auch die baden-württembergischen Grünen kritisieren den „Etikettenschwindel“ der Landesregierung. Darüber hinaus dürfte in den Kommunen auch die Frage für […]