Thomas Volk und die LehrerInnen

Thomas Volk hat wieder einmal einen Weg gefunden, um in der nationalen Presse zitiert zu werden.  In einer Presseerklärung fordert der Vorsitzende des RCDS Baden-Württemberg einen Numerus Clausus von 2,0 für LehrerInnen einzuführen. Hintergrund ist eine Studie des Ifo-Instituts, die herausgefunden hat, dass Lehramtsstudierende einen deutlich schlechteren Abiturdurchschnitt haben, als Diplom oder Magisterstudierende. Ob die Studie stimmt, weiß ich nicht, die Frage ist aber, was das uns über die deutschen LehrerInnen und die deutsche LehrerInnenausbildung sagt. Gilt das Gesetz, dass nur einE guter LehrerIn ist, wer auch ein gutes Abitur gemacht hat? Sicher nicht! Was man aber aus anderen Studien weiß, ist dass der Lehrberuf in Deutschland kein sonderlich gutes Image hat: Faule Beamte, die viel verdienen und viel Ferien haben, so denken viele Deutsche über die Lehrerschaft.

Anders ist das in Finnland: Dort ist der Lehrberuf beliebt – bei den Studierenden, wie bei der Gesellschaft –, obwohl vergleichsweise schlecht bezahlt. Wenn sich wenige AbiturientInnen mit sehr gutem Abi für ein Lehramtsstudiengang entscheiden, muss man also nicht den Lehrberuf besser bezahlen oder einen NC einführen (den es in Finnland übrigens gibt, weil sonst zu viele LehrerInnen ausgebildet würden) , sondern erstmal die Attraktivität des Berufs steigern. Da sind gute Bezahlung und Jobsicherheit sicher nicht unwichtig, wichtiger ist aber sind das Sozialprestige des Lehrberufs und gute Arbeitsbedingungen. Das würde heißen, mehr LehrerInnen einzustellen, um kleinere Klassen zu ermöglichen, das Schulsystem so zu reformieren, dass alle Kinder die gleiche Chance auf einen guten Bildungsabschluss haben und die Lehrerausbildung so zu reformieren, dass die LehrerInnen ein ganzes leben lang weitergebildet, aber auch unterstützt werden.

Abseits des etwas abseitigen Vorschlags nach einem NC ist der Rest von Volks Presseerklärung gar nicht mal so falsch.

Wir benötigen in Deutschland daher dringend eine Aufwertung des Lehrerberufes. Der Eintritt in den Lehrerberuf darf keine Sackgasse darstellen. Aufstiegsmöglichkeiten, Austauschmöglichkeiten mit der freien Wirtschaft und eine bessere Bezahlung können den Lehrerberuf attraktiver werden lassen und sind daher dringend geboten. Wir begrüßen daher ausdrücklich den Vorschlag von Ministerin Schavan, die besten Leute eines Unternehmens auch in die Schule zu schicken.“
Der RCDS-Landesvorsitzende fordert zusätzlich, die psychologische Betreuung für Lehrkräfte an den Schulen zu intensivieren.
Thomas Volk: „Lehrer dürfen an den Schulen nicht ins kalte Wasser geworfen werden. Sie müssen nicht nur ausreichend qualifiziert und gut ausgebildet sein, sondern brauchen im Beruf auch mehr Betreuung durch Lehrerpsychologen. Die Gesellschaft darf Lehrer bei ihrer verantwortungsvollen Aufgabe nicht im Stich lassen. Vielleicht kann hierdurch auch die hohe Zahl an Burnout-Syndromen bei Lehrern verringert werden.“

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Man sollte das nicht einseitig auf die Wirtschaft einengen, sondern auch an Menschen aus den Bereichen der Medien, der Gesellschaft, der Wissenschaft etc. denken. Nicht aber als ErsatzlehrerInnen, weil man jetzt auf einmal so viele Lehrer braucht, weil man jahrelang nur kurzfristige Einstellungspolitik betrieben hat und jetzt IngeneurInnen zu Physiklehrerinnen und FörsterInnen zu BiologielehrerInnen im Schnelldurchgang umschult, sondern als Unterstützung, als Vorbilder, wie es Teach First vorsieht. Gerade an so genannten Problemschulen, könnten diese Zusatzkräfte eine echte Bereicherung und Perspektive für die SchülerInnen sein, Ersatz für eineN ordentlich ausgebildeten LehrerIn können sie aber nicht sein.

Vielleicht zum Schluss noch zwei persönliche Gedanken. Ich habe selbst einige Semester Lehramt studiert und falle mit meinem Abitur in den von Volk geforderten Bereich und dennoch habe ich das Lehramt aufgegeben, weil ich in unserem Schulsystem nicht als Gymnasiallehrer tätig sein wollte. Zu oft habe ich erlebt, dass SchülerInnen den Stempel „zu dumm fürs Gymnasium“ aufgedrückt bekommen haben, ohne dass man sich überlegt, warum die SchülerInnen etwas nicht packen oder wie man Ihnen dabei helfen kann es zu packen. Kein Grund für mein Aufhören war, dass ich es nicht genossen habe zu unterrichten oder, wie mir ab und an im Rahmen meines Stipendiums der Studienstiftung suggeriert wurde, weil ich als guter Schüler und Studierender dabei „mein Talent verschenken würde“, womit wir übrigens wieder beim Sozialprestige des Lehrberufs wären …

Ein Kommentar zu “Thomas Volk und die LehrerInnen”

  1. Robin

    juhu, wiedermal Volki-Bashing. Freu mich jedes Mal aufs Neue. Ich studiere auch aus gutem Grund nicht auf Lehramt, denn selbst in Gymnasien die im Speckgürtel Benztowns liegen sind die viele Lehrer nach einigen Dienstjahren entweder psychisch am Ende oder sie sind vollkommen apathisch geworden und recyceln nur noch jahrzehnte alte Unterrichtspläne. Gerade aus letzterem Grund sollte es die Pflicht zu kontinuierlicher Weiterbildung sowohl didaktischer als auch inhaltlicher Natur, mehr peer-review und ggf anderen Evaluationsformen und nicht zuletzt grössere Freiheit der Unterrichtsgestaltung geben.

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