Was Andere über Freiburg denken

Heute morgen hatte ich das Vergnügen mich mit 6 Studierenden aus Stockholm zu treffen, die im Rahmen ihres Masterstudiengangs (bei den meisten „human geography“ – finde ich übrigens ein interessantes Feld und eine interessante Bezeichnung) für 10 Tage Freiburg besucht haben und in dieser Zeit die verschiedensten Aspekte der Stadt und der Region erforschen, u.a. ökologische Stadtplanung, Güterverkehr in der Region und Marketing der Stadt.

Ich sollte einer Gruppe Fragen zum Marketing der Stadt erklären – wurde aber gleich von der Güterverkehrgruppe auch noch mit in Beschlag genommen-.  Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass ich einer Gruppe aus der Stadt, die gerade Freiburg den Titel der „European Green Capital“ weggeschnappt (siehe auch hier bei Till) hatte,  erklären musste, wie sich die „Green City Freiburg“ vermarktet, zumal ich bezüglich dieses Slogans ja durchaus skeptisch war.

Die Vorbereitung auf das Treffen hat mich allerdings gezwungen mich mit der Thematik nochmal in zweierlei Hinsicht zu beschäftigen: Einerseits historisch, andererseits in Bezug auf die Zielgruppen der Slogans.

Betrachtet man das ganze historisch, beginnend mit den Werbeanzeigen des späten 19. Jahrhunderts, in denen man in verschiedenen Zeitungen um reiche Norddeutsche war, die hier ihren Lebensabend verbringen sollten, über „die Stadt der Gothik und der Bächle“, was übrigens auf auf Englisch völlig dämlich klingt, finde ich es eine gute Entwicklung, dass man im Stadtmarketing mittlerweile verstärkt auf ökologische Aspekte setzt und diejenigen anspricht, die daran interessiert sind.

Andererseits in Bezug auf die Zielgruppen. Sieht man mal von Geschäftsreisenden (u.a. zu Messen) und den Eltern, die ihre hier studierenden Kinder besuchen, ab, scheinen es vor allem zwei Gruppen von Menschen zu sein, die nach Freiburg für länger als einen Tagesausflug kommen. Einerseits die, die an den in Freiburg gefundenen ökologischen Lösungen – besonders sicher den Stadtteilen Vauban und Rieselfeld – interessiert sind, andererseits diejenigen – darunter viele Amerikaner und Holländer –, die Freiburg auf dem Weg in den Schwarzwald mitnehmen. Es erscheint mir daher vollkommen logisch, diese auch verschieden anzusprechen. Sicher kann es nicht schaden, auch letztere Gruppe auf die ökologischen Vorzeigeprojekte in Freiburg aufmerksam zu machen, andererseits wird das Münster immer der erste Bezugspunkt für diese Gruppe sein, und betrachtet man einmal die Omnipräsenz des Münsterturms im städtischen Werbematerial, merkt man, dass sich das auch kaum ändern wird, zumal es mir auch schwer fiel, auf die Frage nach einem symbolischen Gebäude für Freiburg an etwas anderes als das Münster zu denken. (Ich hatte die Vauban als ganzes und das Sonnenschiff im Besonderen gedacht, aber gemerkt, dass das vom Wiedererkennungsgrad einfach nicht ans Münster rankommt).

Was die Bewerbung der  zweiten Zielgruppe – diejenigen, die am ökologischen Image der Stadt interessiert sind, bzw. die hier praktizierten ökologischen Lösungen ansehen wollen – angeht, fiel mir auf, wie wichtig dafür ist, dass Freiburg nicht nur das Bewährte fortsetzt, sondern neue innovative Projekte angeht. Nur dann kann Freiburg diesen Ruf auch behalten, gar ausbauen, oder irgendwann dann doch „European Green Capital“ werden. In sofern ist es umso wichtiger, dass das es gelingt die CO2-Emissionen entlang den städtischen Zielen zu senken, den Anteil an erneuerbaren Energien zu steigern und vor allem neue Symbolträchtige Projekte zu entwickeln. Vielleicht weniger indem man neue Stadtteile baut, das passt ja auch nicht zum Freiburger Kurs der Nachverdichtung, sondern in dem man bestehende ökologisiert, in sofern ist die Idee Hochhäuser in Weingarten im Passivhaus-Standard zu modernisieren wegweisend.

Interessant übrigens: Den schwedischen Studierenden erschien es nur logisch, dass Freiburg mit dem Image der „grünen“ oder sagen wir „ökologischen“ Stadt wirbt. Auch wenn ihnen der Münsterturm gefällt, konnten sie über „Stadt der Gotik und der Bächle“ nicht mehr als herzhaft lachen.

2 Kommentare zu “Was Andere über Freiburg denken”

  1. Till

    „Gothics city of little rivulets“?

  2. thd

    Hm, also ich fände ja einen Schattenriss des Münsterturms und der 4 Roßkopf-Windrotoren das passende Symbol für das „grüne Freiburg“ (klar ist das verkürzt – aber sind Symbole wohl immer). Ist auch die Idee, die ich seit langem für den Hintergrund des grünen Schriftzugs auf unserem Blog hier habe – zur Realisierung bin ich nur leider noch nicht gekommen…

Kommentare abonnieren