Kirchbach vs. Salomon

Wie die BZ verkündet, ist Kirchbachs Bewerbung um das Oberbürgermeisteramt jetzt offiziell. Wenn er sich geschickt anstellt, kann er trotz einer möglichen Unterstützung Dieter Salomons durch die CDU ein ernsthafter Konkurrent werden.
Nach meinem persönlichen Eindruck (ich habe ihn vlt. 3 Mal erlebt) repräsentiert er in gewisser Weise das genaue Gegenteil zum Amtsinhaber: Dieter ist rhetorisch versiert, eloquent und gerne auch mal direkt (um es nett zu formulieren). Kirchbach ist eher leise, zurückhaltend, ein netter Kerl, mit dem man gerne ein Bier in irgendeiner Kneipe trinken würde. Er ist jemand, der – trotz seines Säulen-Auftrittes – in der Lage ist, Unterstützung bei Linken und Alternativen zu bekommen und gleichzeitig auch das Bürgertum anzusprechen. Zudem sind nach meinem Erleben die Böhme-Jahre mittlerweile kaum noch im Bewusstsein.
Kurz zusammengefasst: Unter Umständen ein ernsthafter Konkurrent für Dieter Salomon.

13 Kommentare zu “Kirchbach vs. Salomon”

  1. Münsterfan

    Von Kirchbach ist zu verdruckst und inhaltlich zu verschwurbelt um über die (immer kleiner werdende Gruppe der) SPD-Stammwähler hinaus viele Stimmen zu bekommen. Ich erinnere mich noch an die These, 30%-CO²-Reduzierung sei besser für das Klima als 40%-CO²-Reduzierung. Außerdem gibt es in seinem Dezernat die meisten Probleme, er schneidet im Vergleich zu Neideck und Stuchlik deutlich schlechter ab – und ausgerechnet er will jetzt Chef der ganzen Stadtverwaltung werden?

    Tipp für alle, die Herrn von Kirchbach noch nicht kennen: schaut ihm mal beim Fußball spielen zu, dann wisst Ihr viel über ihn.

  2. jk

    @Münsterfan: Wenn das so ist, dann nimmt das kaum jmd. wahr. Zumindest außerhalb des Kreises kommunalpolitischer Insider. Was aber vlt. auch daran liegt, dass er generell eher weniger wahrgenommen wird. Ich denke, dass er durchaus Potential hat.

  3. filtor

    ich befürchte, dass gegen den amtsinhaber nur eine bekanntere person (möglichst eine frau) eine chance hätte, die der SPD nahesteht, aber auch beim alternativen milieu punkten kann. denn dieter salomon deckt nicht nur inhaltlich alle konservativen, sondern von seinem autoritären stil her auch darüber hinaus bestimmte (männliche) wählergruppen gut ab.

    auch wenn also der enthusiasmus vieler grüner eher unterdurchschnittlich ausfallen dürfte, hat der OB leider gute chancen, mit stimmen von CDU- und grünen-anhängern gleich im ersten wahlgang wiedergewählt zu werden. wenn er in den zweiten wahlgang müsste, wäre das schon ein erfolg für seine gegner.

  4. Münsterfan

    An filtor:

    Stimme Dir zu, aber dafür gibt es ja einen Wahlkampf, damit solche skurilen Sachen bekannter werden.

  5. Tim

    Ich verstehe nicht so ganz, wie du zu der These kommst, dass UvK im linksalternativen oder bürgerlichen Lager auf Zuspruch stossen könnte. Erklär mir das mal.

  6. Mahwasi

    Also uvk hat doch in den letzten Jahren eher sein Dezernat verwaltet, wenn es das nicht sowieso in autonomer selbstverwaltung sich überhaupt von außen hat steuern lassen.
    den laden hat er nicht im griff – mit uvk wir die nächsten jahre einfach nix passieren (wenn er ob wird) und warum man ihm dann zum sozialbürgermeister wählen soll weiß ich auch nich.
    darüber hinaus sollte man mal schauen ob nicht auch noch andere gruppierungen leute aufstellen die salomon herausfordern werden

  7. Münsterfan

    Wenn die radikale Linke wie angekündigt mit einer eigenen Person in den OB-Wahlkampf einsteigen wird, könnte es für UvK eng werden. Radikale Linke, ein Teil des links-alternativen Milieus und viele Protestwähler werden die Kandidatin oder Günter Rausch als Kandidaten der radikalen Linken wählen.
    Das alternative und grüne Milieu wird Salomon wählen, ebenso das bürgerliche Milieu, das konservative Milieu, das Handwerkermilieu, die Wirtschaftsafinen, die Ur-Freiburger und viele Menschen in den Ortschaften.
    Welche Wählerschichten bleiben dann noch für Uvk – außer den SPD-Stammwählern (von denen aber auch noch ein Teil für Salomon stimmen wird)? Ich würde UvK in der sich nun abzueichnenden Kandidatenlage eher an dritter Stelle sehen (so wie der CDU-Kandidat bei den OB-Wahlen 1998).
    Etwas Bewegung in die Kandidatenlage könnte noch durch eine Kandidatur des notorisch-neoliberalen FDP-Chefs Evers kommen. Aber mehr als 10 % gebe ich ihm gegen Salomon auch nicht.

  8. jk

    @Mahwasi: Mein Eindruck ist, wie gesagt, dass das nach außen nicht wahrgenommen wird und darauf wie man sowas im Wahlkampf kommuniziert ohne das eine Dreckkampagne dabei herauskommt, bin ich gespannt.

    @Münsterfan: Über FDP und FW habe ich auch nachgedacht. Wenn die CDU niemanden hat, wäre es seltsam, wenn aus dieser Ecke nix kommt.
    Beim alternativen und grünen Milieu (wobei mir deine Abgrenzungen nicht so ganz klar sind) wäre ich mir nicht so sicher. Da hat sich Dieter nicht nur beliebt gemacht.
    Meine Überlegungen betr. Kirchbach gingen auch in Richtung 2. Wahlgang. Da hat er eher Chancen Stimmen links zu gewinnen als Dieter.

    @Tim: Das ist mein persönlicher Eindruck von ihm, dass er das schaffen kann. Reine Gefühlssache :-)

    Schade, dass es in Deutschland keine direktgewählten Vize-OB als running mate gibt, dann gäbe es jetzt spannende Kombinationen…

  9. Till

    Ich sehe zwischen „grünem“ (provokant: Herdern, Vauban, Rieselfeld) und „alternativem“ (zugespitzt: Stühlinger, Grethergelände, Eselswinkel) Milieu in Freiburg klare Ausdifferenzierungsprozesse. Das bürgerlich-grüne Milieu trägt Dieter Salomon vermutlich mit. Evtl. auch mit Bauchweh. Warum das alternative Milieu ihr wählen sollte, wie es „Münsterfan“ wohl vermutet, bleibt mir unklar.

  10. jk

    @Till: Streit um Begriffe insbesondere bei Sozialstruktur und Milieus ist ja recht beliebt. Mein Problem mit den Abgrenzungen bei Münsterfans Struktur bezog sich nicht nur auf grün und alternativ.

    Jetzt weiß ich wenigstens auch, warum die Sache mit einem eigenen Kandidaten der Linken Liste an mir vorbei gegangen ist: Sie stand nur kurzzeitig in der Onlineausgabe der BZ. Nachlesbar in den Kommentaren:
    http://www.badische-zeitung.de/freiburg/spd-unterstuetzt-ulrich-von-kirchbach

  11. Till

    @jk: mir geht’s auch nicht nur um die – wollte deine Kritik an „münsterfans“ Pauschalvereinnahmung für Salomon nur unterstützen.

  12. Tim

    Zur Ergänzung: CDU verzichtet laut BZ auf einen eigenen Kandidaten, u.a. mit der Begründung, dass in der momentanen Konstellation wesentliche kommunalpolitische Ziele durchsetzbar sind (Haushalt, Integration, Bildung). Auch wenn über eine Wahlempfehlung erst kurzfristig entschieden werden soll… das ist ja fast schon eine.
    Und die linke Liste kündigt weiter an, mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen zu gehen.

  13. thd

    Hier ist dann auch der entsprechende BZ-Artikel, den Tim anspricht.

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