Unabhängige Presse auf freiburgerisch

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich TV Südbaden mal lobend für „investigativen Journalismus“ erwähnen würde – in einer Stadt wie Freiburg Region wie Südbaden, die von einem einzigen Medienunternehmen dominiert wird, kommt aber wohl auch einem Regional-Shopping-und-Kochsendungskanal an der einen oder anderen Stelle wichtige Bedeutung zu. Und zwar insbesondere dann, wenn es um die journalistische Unabhängigkeit eben jenes übermächtigen Mediums, nämlich der Badischen Zeitung, geht. Deren Verleger hat nämlich nun – selbstverständlich als „Privatmann“ – zur finanziellen Unterstützung des amtierenden Oberbürgermeisters von Freiburg für dessen Wahlkampf im kommenden Jahr aufgerufen.

Steht die Badische Zeitung ohnehin nicht im Verdacht, den allerkritischsten Umgang mit der Freiburger Stadtverwaltung zu pflegen, so stimmt diese offene Parteinahme des Freiburger „Medienfürsten“ Hodeige für Dieter Salomon mehr als nur ein bisschen nachdenklich im Hinblick auf die Unabhängigkeit des zentralen Freiburger Presseorgans im kommenden OB-Wahlkampf. So einfach wie der interviewte Experte Ulrich Eith kann man es sich jedenfalls nicht machen:  Mit demokratisch klingenden Phrasen von „Partizipation“ um sich zu werfen und mit keinem Wort die Bedeutung einer unabhängigen Presse als „vierter Gewalt“ mit erheblichem Machtpotential in dieser unserer Mediendemokratie zu erwähnen ist der Berufsbezeichnung „Politikwissenschaft“ eigentlich nicht würdig.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Redaktion der Badischen Zeitung im Wege der „internen Pressefreiheit“ möglichen Beeinflussungs- und Vereinnahmungsversuchen entschieden entgegenstellen wird. Angesichts des nicht von der Hand zu weisenden „Gschmäckles“ dieses Spendenaufrufs wäre dazu eine öffentliche Erklärung der Redaktion wohl angebracht.

9 Kommentare zu “Unabhängige Presse auf freiburgerisch”

  1. Tim

    Ich würde mir ja wünschen, dass die deutschen Zeitungen ihre Parteinahmen viel offener angehen würden und z.B. wie in den USA auch Wahlempfehlungen aussprechen würden.
    Ansonsten halte ich das ganze für ein Skandälchen. Es wäre mir neu, dass die Lokalredaktion an der Kandarre der Verleger liegt. Dass die BZ allzu unkritisch Richtung Stadtverwaltung ist, sehe ich absolut nicht so. Ich empfinde die BZ eher zu unkritisch Richtung UL&Co.

  2. thd

    Tim, in einem funktionierenden „Medienmarkt“ mag so etwas funktionieren und wünschenswert sein. In einer Quasi-Monopolsituation auf kommunaler Ebene halte ich das für höchst problematisch. Außerdem ist es das eine, wenn ein Journalist seine politischen Präferenzen offenlegt (das dient der Transparenz bzgl. des Vorverständnisses), etwas anderes aber, wenn der „Boss“ eines Medienunternehmens aktiv in einen Wahlkampf eingreift.

  3. filtor

    @ tim: „Dass die BZ allzu unkritisch Richtung Stadtverwaltung ist, sehe ich absolut nicht so.“ du musst das berliner boulevardblatt BZ meinen.
    „Ich empfinde die BZ eher zu unkritisch Richtung UL&Co.“ wenn du radio dreyeckland dahingehend parteilichkeit vorwerfen würdest, wäre es noch nachvollziehbar, aber gegenüber der badischen zeitung ist es lächerlich.

  4. Münsterfan

    Alle Bürger haben Bürgerrechte. Solange Herr Hodeige transparent und als Bürger handelt – und das tut er ja und das betont er ja in seinem Brief – habe ich keine Einwände gegen sein bürgerschaftliches Engagement. In anderen Ländern ist so etwas völlig normal, ich verstehe die Aufregung mancher nicht. Ich kann auch keinen Skandal erkennen. Und was das mit Pressefreiheit zu tun haben soll, verstehe ich auch nicht.

  5. jk

    Ich überlege gerade, was manche hier sagen würden, wenn der gute Hodeige Kirchbach unterstützen würde. Ich bin mir sicher, es würde Zeter und Mordio geschriehen. Medien und Politik brauchen die Nähe des anderen aber es gibt eine gewisse Grenze schon um nicht den Verdacht der Einflussnahme zu erwecken. Ich kenne die BZ-Interna nicht aber nach so einer Ankündigung, fällt es mir nicht schwer mir vorzustellen, wie in manchem strebsamen Journalistenkopf bewusst oder unbewusst die Schere zu arbeiten beginnt und deshalb hat das ganz verdammt viel mit Pressefreiheit zu tun.
    Die Presse hat eine zentrale Funktion in der Demokratie, deshalb hat sie auch die damit verbundene Verantwortung. Für ein Monopolblatt gilt das noch viel mehr.
    Es handelt sich hier nicht um einen konkreten Eingriff (wie in der Causa Brender oder weniger beachtet der Causa Lochthofen http://www.thueringerblogzentrale.de/2009/11/30/thuringer-allgemeine-zensiert-erklarung-der-mitarbeiter/) aber soweit muss man es auch gar nicht erst kommen lassen.

  6. KF

    Die Parteinahme Hodeiges für Salomon wäre ja noch unter „persönlichem Bürgerrecht“ zu verbuchen und könnte schnell vergessen werden – WENN sich die Badische Zeitung neutral und korrekt verhielte!

    Da dieses Monopol-Blatt aber Pressemeldungen der Kirchbach-Wählerinitiative unterschlägt und Veranstaltungshinweise der Initiative nicht oder nicht zeitnah veröffentlicht, bekommt das Ganze leider doch ein deutliches „G’schmäckle“…

  7. Münsterfan

    Welche Zeitung druckt alle Pressemeldungen einer Partei oder einer Fraktion oder eines Abgeordneten oder eines Kandidaten oder einer Unterstützungsgruppe ab? Wäre dies ratsam?

  8. KF

    Sicherlich kann und muss eine Zeitung nicht jede Pressemeldung irgendeiner Gruppierung veröffentlichen.
    Wenn eine Gruppierung aber auffallend oft nicht berücksichtigt wird, fällt das auf und zieht Mutmaßungen nach sich…

  9. Orangenfalter

    http://orangenfalter.wordpress.com/2010/03/09/wahlprogramme-ganz-kurz/

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