Plakatkritik zur OB-Wahl

Nachdem Till sich bereits eingehend mit den Logos der Kandidaten befasst hat, kommt – wie auch schon bei vergangenen Wahlen – eine kleine subjektive Plakatekritik.

Bei Dieter Salomon fällt zunächst die unkonventionelle Haltung auf, wobei das nicht unbedingt neu ist. Joschka hatte das bereits 2005 als Wahlplakat. Das Bild ist sonst gut gelungen und zeigt nicht das dietersche Standardlächeln. Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern verzichtet er auf eine Namensnennung – von der Homepage mal abgesehen. Es wird wohl davon ausgegangen, dass er als Amtsinhaber allen bekannt ist. Die Person dominiert im Vergleich mit den anderen optisch am stärksten. Das einzig Grüne auf dem Plakate – was Anlass zu bösen Spekulationen geben könnte – ist ein Balken mit dem Schriftzug „Für ganz Freiburg“.

Kirchbachs Plakate sind so wie der Eindruck, den er bisher bei den meisten Menschen, die ich kenne hinterlassen hat: bürokratisch, nett und langweilig. So ein Plakat könnte jeder SPD-Kandidat für jedes Amt zwischen Flensburg und Konstanz aufhängen. Der Claim „Mehr Miteinander – Mehr Möglichkeiten“ soll wahrscheinlich einen anderen Stil als Unterscheidung zum Amtsinhaber ausdrücken und ist, wie Claims fast immer sind, ansonsten nichtssagend. Warum der Layouter am linken Rand senkrecht in winziger Schrift noch „…und Freiburg gewinnt!“ eingefügt hat, bleibt sein Geheimnis, denn lesen wird es wohl kaum jemand können. Sein Logo ist gestalterisch Gott sei Dank reduziert worden, ist aber nun in Schieflage geraten. Was bei manchen Verwendungen des neuen Grünen-Logos blöd aussah, finde ich hier zwar nicht genial aber durchaus ganz nett. Ansonsten hätte es nur wagerechte und senkrechte Balken gegeben.

Im Vergleich zu Kirchbach und Salomon wirkt das Rausch-Plakat, wie „Marke Eigenbau“. Alles ist schräg angeordnet, oben ragt eine seltsame Ecke ins Bild und links neben dem angeschnittenen Kandidaten ist ziemlich viel Nichts. Auffallen wird WiR damit auf jeden Fall.
Rausch ist auf jedem Plakat anders fotografiert: Mal im Bürgermeisterjackett, mal in Gewerkschaftslederjacke. Abbild der Vielfalt? Schizophrenie der Kandidatur? Keine Ahnung. Ich weiß auch nicht, warum viele Fotografen diese komischen gestellten Handhaltungen so toll finden, wie man sie auch auf alten Kirchbachplakaten bewundern konnte. Ich finde sie fürchterlich.
Als einziger Kandidat wirbt er mit seiner kompletten Titulatur. Sowas soll natürlich beeindrucken und Kompetenz signalisieren, nur die empirische Wahlforschung ist da anderer Meinung: Der Einfluss akademischer Titel auf das Wahlverhalten ist äußerst gering – als Kontrast zum Aktivistenimage aber natürlich trotzdem hilfreich. Ebenfalls sieht man bei ihm als Einzigem das Logo seiner „Partei“ und konkrete inhaltliche Aussagen – für mich ein klarer Pluspunkt. Vielleicht kommt bei den anderen da noch was.

14 Kommentare zu “Plakatkritik zur OB-Wahl”

  1. Konstantin

    die Ökobilanz wurde ja schon neulich auf Twitter diskutiert: Sehe ich das von hier aus richtig, daß nur die Rausch-Plakate Papier auf Pappe sind?

    Ansonsten: exactly my sentiments. DIe Farbenwahl bei Rausch halte ich jedoch noch für diskutierbar. Blau und Orange kennt man ja sonst woanders her, und der beige-graue Hintergrund (große freie Fläche! Eindruckmöglichkeit?) ist auch irgendwie gewöhnungsbedürftig, wirkt wie nasse Pappe.

  2. nicolas

    hallo julian,
    hast du ne quelle für das mit den doktortiteln? ich weiß, dass es da was gibt, aber ich find den artikel dazu nicht mehr. würde mich interessieren.
    grüße,
    nicolas

  3. Till

    Na, dann muss ich das ja diesmal nicht machen ;-)

    Wie Konstantin würde ich auch nochmal drauf hinweisen, dass Balken in blau-orange bei mir die Assoziation „Bank“ wecken (bei Rausch). Und das Logo ist auf den Plakaten handwerklich einfach schlecht gemacht (i zu dick …). Die Handbewegungen / Haltungen gefallen mir – dass Rausch der einzige ist, der mit Themen auf den Plakaten wirbt, ist auch nicht schlecht. Macht ihn aber natürlich auch angreifbarer.

    Bei Kirchbach finde ich das Logo immer noch eher lächerlich, auch als Fasnetsplakette (oder Briefmarke). Wer den Spiegeltitel „Kölner Dom/Klimawandel“ kennt, wird sich auch darüber wundern, warum das Freiburger Stadtwappen untergeht. Ansonsten kann ich der Einschätzung „austauschbares Standard-Bürokratie-Plakat“ nur zustimmen.

    Dieter – den Namen nur in die URL zu nehmen, finde ich okay. Interessant hier, dass die beiden Plakate (A0 und A1) auf mich einen ganz anderen Eindruck machen: beim kleineren Plakat, wo weniger schwarzer Anzug drauf zu sehen ist, wirkt das Plakat auf mich sehr sympathisch, beim A0-Plakat finde ich die Körperhaltung dagegen eher – naja, bedrohlich ist das falsche Wort – aber jedenfalls etws seltsam.

  4. jw

    @till was die Dieter Salomon-Plakate angeht, gings mir instinktiv ähnlich. Mir gefällt beim kleinen auch besser, dass der Claim „für ganz Freiburg“ näher am Namen ist. Interessant übrigens, dass er auf dem kleinen Bild eine Krawatte anhat und auf dem großen nicht.

  5. Gregor

    danke für diese erste einschätzung… finde sie aber noch etwas tendenziös ;-) ne spur neutraler, wärs noch besser…

    kurz mein „neutraler“ senf dazu…

    rausch: angenehm anders, wenngleich etwas sehr „kreativ“… wenige wäre hier mehr gewesen. dass rausch mit inhalten kommt ist pflicht und liegt auch an der art kandidatur, die ja auf basis eines breiten links-liberalen bündnisses stattfindet… als parteigänger der linken wären mir gößere und ggf. auch stärkere slogans lieber gewesen…
    gerade vor den beiden anderen motiven hebt sich das plakat von rausch ab… es lässt platz auch neben der person… die so nicht so allmächtig erscheint. die versch. fotos sybolisieren vor allem gesprächsbereitschaft… auch das teil der wir-idee… schlecht ist vor allem die farbegebung, sie ist wenig symbolisch UND orange auf beige/grau geht gerada am aben gar nicht…

    salomon: erster eindruck, das selbstsichere hochmütige lächeln des „siegers“ dem eh keiner was anhaben kann… sollten diesen eindruck auch andere haben, kann das nach hinten los gehen… die fehlenden inhalte erschrecken mich… das ist mir zuwenig, wenngleich plakate ja vor allem marken präsentieren und verankern sollen. das allerding kann das plakat. unter diesem aspekt hätte man aber auch ganz auf jeden text verzichten können. die www-adresse fällt wenig auf, das für ganz freiburg auch, nur das oberbürgermeister bleibt etwas besser kleben – aber zu kurz. ach ja, der alt-weiße hintergrund… nein! das geht gar nicht. hier wäre ein klares weiß sicher besser gewesen!

    kirchbach: spd-bürokraten-standard-kram von vor-vor-gestern…aber es soll je eine wähler-klientel der spd geben, die auf sowas steht… nur ob diese überhaupt noch spd wählt und wenn, es nicht auch ohne plakat getan hätte, möchte ich hier nur kurz in den raum stellen…. ansonsten wurde hier alles gesagt… ich hoffe dafür wurde wenigsten kein geld an sowas wie einen profi ausgegeben….

    GANZ grundsätzlich:

    WARUM plastik-plakate – bei den grünen???? – da muss doch einer/eine mal auf die ökobilanz geschaut haben???!!! die tatsache, das die dinger grundsätzlich recyclingfähig sind, reicht m.e. nicht aus. in der regel wandert viel plastik-müll heute in die „thermische verwertung“…. also, wenn plastik, dann nur wenn recycling garantiert!

  6. jw

    @Gregor
    nunja es ging hier um designfragen , die wir erstmal losgelöst von inhaltlichen Fragen sehen sollten. Grüne haben im übrigen schon ganz beschissene Plakate gehabt (http://blog.till-westermayer.de/index.php/2009/05/06/objektive-asthetik-im-freiburger-wahlkampf/) und uns haben andere Plakate gut gefallen: http://www.gruenesfreiburg.de/2009/05/31/freiburger-plakate-ii-die-gaf-provokation/
    Letztlich ist eine Plakatkritik aber immer völlig subjektiv.

    Man sollte natürlich unterscheiden wie die Plakate auf Designfreaks wirken und wie sie auf den „normale“ Wähler_innen wirken. Bei letzteren kann ich mir vorstellen, dass die Plakate von von Kirchbach durchaus gut wirken – ist allerdings nur so ein Gefühl.

    zu den Plastikplakaten. Ich habe diese Frage auch sofort gestellt, als ich gesehen habe, dass es Plastikplakate gibt und habe bei dem Wahlbüro von Dieter Salomon nachgefragt. Die Auskunft, die ich dort erhalten habe, ist dass man bevor man diese Plakate bestellt hat, sich ausführlich über die Umweltbilanz informiert hat und Erkundigungen eingezogen hat. Das Material besitzt einen blauen Engel und ist recyclebar. Preislich sind die Plakate zwar teurer, da man aber keine eigenen Sperrholzplatten besitzt, auf die man die Plakate aufziehen müsste, ist der Preisunterschied bei Leihe der Platten fast völlig ausgeglichen.
    Nichtsdestotrotz bin ich eher auch kein Fan dieser Plastikplakate, nicht zuletzt weil ich glaube, dass es – obwohl sie recyclebar und zertifiziert sind – nicht vermittelbar ist, dass Grüne Plastikplakate benutzen. Genauso wie man von Grünen erwartet, dass sie ihre Prospekte auf Papier drucken, dass eindeutig als Recyclingpapier zu erkennen ist, auch wenn es mittlerweile Recyclingpapier gibt, dem man es nicht mehr gleich ansieht.

  7. jw

    @ gregor
    nachtrag: Wenn wir gerade bei Plakaten sind: WIR hängt viele ihrer Plakate an Bäume obwohl das zurecht verboten ist, wäre schön wenn diese Plakate abgehängt würden.

  8. Gregor

    …ich mail das gleich mal an die wir-s…

    die auskunft aus dem wahlkampfbüro klingt nicht zufriedenstellend. entscheidend ist nicht ob recycelbar und zertifiziert, sondern was tatsächlich mit den grünen plastikplakaten passiert… in der regel kommt dieser müll in die müllverbrennung… sollte das im bezug auf die salomon- und kirchbach-plakate anders geregelt sein… SUPER!

    da diese frage ja auch andere gruppen und parteien betrifft – auch die linke – wäre es super wenn irgendwann jemand mal ne korrekte ökobilanz besorgen könnten, zb das büro salomon, dass sowas ja vielleicht hat… zumindest davon geredet hat…

  9. filtor

    salomon habe ich letztes mal leider gewählt (im zweiten wahlgang) und werde es nie wieder tun. aber rein optisch gefällt mir sein plakat am besten. erst auf den zweiten blick fällt ja auf, dass es völlig inhaltsleer ist.

    rausch hat inhaltlich natürlich das aussagekräftigste plakat („mieten stoppen“ klingt zunächst etwas schief, regt aber vielleicht zum nachdenken an…). mir sind auch die farbgebung, die hände und die akademischen titel negativ aufgefallen. genau das kommt aber vermutlich bei vielen leuten gut an – das plakat soll offenbar bewusst keine linksalternativen standardwähler ansprechen, weil die ohnehin rausch wählen.

    kirchbachs plakat finde ich fast schon bemitleidenswert.

  10. jw

    @gregor zur „Entsorgung“ der Plakate. Ich habe beim Wahlbüro Salomon nachgefragt. Die Auskunft von dort:

    Die Plakate gehen zurück an die Druckerei, die diese wiederum an die Zuliefererfirma zurückgibt, die diese dann recyclet. Diese Abmachung wurde vor Bestellung der Plakate so getroffen.

  11. Gregor

    @jw
    das klingt nett… ob es so kommt, steht wohl aber in den plastik-plakat-verkäufer-sternen… der begriff recyceln ist dabei sicher dehnbar…
    naja… an diesen dingen kommt der moderne wahlkämpfer wohl nicht merh vorbei… spätestens bei der kommenden landtagswahlen werden alle den scheiß mitmachen… ich lehne das ab…
    grüße
    gregor

  12. jk

    @Konstantin: Die Farbwahl hatte Till in seinem Blog schon diskutiert.

    @nicolas: Habe noch mal gesucht, finde es aber auch gerade nicht.

    @Till/jw: Finde es interessant, wie sich die Einschätzungen/Eindrücke unterscheiden. Den Unterschied zu den kleinen Plakaten habe ich gar nicht wahrgenommen, was vlt. daran liegt, dass hier in meiner Ecke nur Große hängen.

    @Gregor: Wie jw schon geschrieben hat, ist das hier explizit subjektiv. Auf mich wirkt Salomons Lächeln gerade nicht hochmütig sondern sympatisch.
    Rausch: Völlig richtig, die Plakate heben sich klar von den anderen ab . Ob letztlich positiv, da habe ich meine Zweifel…Rausch steht als Person am wenigsten im Zentrum. Aber an seiner Stelle ist eben erstmal nichts zu sehen. Das passt ein Stück weit zu seiner Beteiligungsrhetorik, stellt deren Konsistenz aber auch in Frage.

  13. tim

    was passiert eigentlich mit den papier und pappplakaten? Inwiefern werden diese wiederverwertet bzw. recycled? aus eigener erfahrung weiß ich, dass aufgrund des witterungsbedingten verbiegens usw. die dinger auch nicht ewig wieder nutzbar sind und in der regel auch ein großer prozentsatz kaputtgeht.
    die plastikplakate sind wesentlich plakatiererfreundlich, weil leicht und nicht rauh. Vom btw hatte ich nach einer nächtlichen plakatierungsaktion fetten muskelkater und richtig schön angegriffene hände…

  14. Till

    Ich bin endlich mal dazu gekommen, die ganzen Plakate zu fotografieren:

    http://www.flickr.com/photos/tillwe/tags/obfr2010/

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