Über Scheinfragen, Störungen und den Bärendienst

„Ich dachte, du wolltest dir nicht so viele Podiumsdiskussionen ansehen“, wurde ich aus Reihen der SPD vergangenen Freitag bei der Podiumsdiskussion des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zur OB-Wahl im Café Velo begrüßt. Wollte ich auch nicht, aber die zum Bildungsthema wollte ich auch nicht verpassen. Allerdings auch ziemlich viele Menschen nicht, die ich schon auf anderen Podiumsdiskussionen gesehen habe. Mit einigen unterhalte ich mich regelmäßig, über andere amüsiere ich mich.

Wieso ich mich amüsiere? Es ist logisch, dass  Anhänger bei Podiumsdiskussionen „ihre Kandidaten“ unterstützten. Auch wenn ich es selber nicht praktiziere, kann ich verstehen, wenn man nur bei „seinem Kandidaten“ klatscht, auch wenn andere Kandidaten durchaus richtige Dinge sagen. Was ich allerdings nicht verstehen kann, ist wenn andere Kandidaten durch Zwischenrufe unterbrochen werden, ihre Äußerungen durch betontes „Aufstöhnen“ oder Lachen ins Lächerliche gezogen werden oder die Podiumsdiskussionen durch als Fragen getarnte Statements der immer wieder selben Unterstützter kommentiert werden.

Man mag das für schlechten Stil halten, ich glaube vor allem, dass es beim unvoreingenommenen Publikum nur zu Sympathie für den Geschmähten führt. Die vermeintlichen Anhänger erweisen „ihren Kandidaten“ einen Bärendienst. Glaubt denn eigentlich irgendjemand ernsthaft, dass das Publikum nicht fähig ist, die ausufernden Fragen der Anhänger eines Kandidaten als das zu entlarven was sie sind? In Worte gefasst hat das bei der letzten Podiumsdiskussion Dieter Salomon, der seine Antwort auf die fünfminütige Frage von WIR-Mann Martin Klauss mit den Worten „wollen Sie es nicht mal lassen, Sie geben mir jedes Mal eine Steilvorlage?“ beendete. Es ist allerdings nicht nur Salomon, der immer wieder durch Zwischenrufe unterbrochen wird und den Angriffen der Gegner ausgesetzt ist. Es wirkt ebenso lächerlich, wenn Mitglieder der „Stimmen für Salomon“ Beiträge von Günter Rausch durch ein herablassendes Lachen kommentieren oder wenn die Rektorin der Angell-Schule und Salomon-Unterstützerin Antoinette Klute-Wetterauer zu einer fünfminütigen Frage an Rausch und Kirchbach einsetzt. Von dem auf der Podiumsdiskussion der Architekten neben mir sitzenden Kirchbach-Unterstützer, dessen Wortschatz über Arschloch und Dummschwätzer nicht hinausreichte, muss ich gar nicht weiter sprechen.

Also liebe Kandidatenanhänger. Ihr dürft Eure Kandidaten beklatschen, aber benehmt Euch doch bitte. Ihr dürft den anderen Kandidaten auch Fragen stellen, aber stellt doch kurze Fragen. Damit helft ihr letztlich nicht nur Euren Kandidaten, ihr sorgt auch dafür, dass ihr Euch in der Öffentlichkeit nicht allzu lächerlich macht.

4 Kommentare zu “Über Scheinfragen, Störungen und den Bärendienst”

  1. tim

    Guter Beitrag, ich versuche das zu beherzigen. Auch wenn es manchmal angesichts des ewigen bürgerbeteiligungsmantras schwerfällt, nicht zu stöhnen, den kopf zu schütteln oder zu lachen… das allerdings weniger herablassend, sondern eher dahingehend, dass manche statements seitens der kandidaten und ihrer fans fast schon running gags sind…

  2. ralf

    Ich kann dass mit den ewig dauernden Fragen auch nur unterschreiben. Obwohl ich selbst ja auch dazu neige Statements abzugeben statt Fragen zu stellen. (Deshalb genieße ich diese Diskussionen noch schweigend.)

    @Tim
    „dass manche Statements seitens der Kandidaten und ihrer fans fast schon running gags sind“ meinst Du damit den, dass keiner mehr atmen dürfte wenn Freiburg Null-Emissions-Stadt wäre ?

  3. blog.konstantin-goerlich.de » Von Bärendienstleistern und Selbstdarstellern.

    […] Montag schrieb Johannes Waldschütz auf gruenesfreiburg.de über Scheinfragen, Störungen und den Bärendienst bei den Podiumsdiskussionen zur in gut einem Monat stattfindenden Oberbürgermeisterwahl in […]

  4. Die Wahl 2010 //Dossier « Orangenfalter

    […] twittert • Perspektive für das U18-Ergebnis • gruenesfreiburg.de über Bärendienste • Felice Francesco zeigt das Dilemma • Designkritik von Till Westermayer • HabIMaG-MIWI • […]

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