Der arbeitskreis kritischer juristinnen und juristen (akj) Freiburg hat inzwischen seinen Demobeobachtungs-Bericht zur gestrigen Großdemonstration des Bündnisses Bildungsstreik 2009 veröffentlicht.
Für Kopfschütteln sorgte einmal mehr das Verhalten des Rubsamen-geführten Amts für öffentliche Ordnung unter CDU-Bürgermeister Neideck: Mit völlig überzogenen Auflagen bedachte es die im Vorfeld als extrem gefährlich eingestufte Demonstration – und schickte diese trotz mehrere Wochen zuvor erfolgter Anmeldung nicht einmal 24 Stunden vor Demo-Beginn an die Veranstalter. Da kapitulierte auch das eingeschaltete Verwaltungsgericht:
[…] die zur Auflage Nr. 1 erstellte Gefahrenprognose der Polizeidirektion Freiburg vom 15.06.2009 kann in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht verantwortlich in Frage gestellt werden
[Beschluss des VG Freiburg vom 17. Juni 2009, Az. 4 K 974/09, S. 2]
Eine merkwürdige Umkehrung der für Eingriffe in die Versammlungsfreiheit notwendigen Rechtfertigungslast: Nicht die Gefahrenprognose wird in Frage gestellt, wenn sie nicht mehr überprüft werden kann, sondern die Beweislast den Versammlungsteilnehmer_innen aufgebürdet. Wenn Versammlungsbehörden ihre Auflagen also nur spät genug erlassen, kommen sie auch mit den abstrusesten Gefahrprognosen (vgl. nur die bunte, fröhliche und völlig friedliche Demonstration gestern) durch. Man hätte sich mehr richterliches Selbstbewusstsein gewünscht.
So ist der Beschluss nämlich geradezu eine Einladung an das in jüngerer Vergangenheit nicht gerade durch sonderlich rechtsstaatliches oder demokratiefreundliches Verhalten auffallende Amt für öffentliche Ordnung – die dieses wahrscheinlich nur zu gern annehmen wird.
Höchste Zeit damit auch für den Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne), endlich seine Gesamtverantwortung für das Verhalten seiner Verwaltung ernstzunehmen, und den 1. Bürgermeister Neideck und dessen „Sheriff“ Rubsamen in ihre rechtsstaatlichen Schranken zu verweisen.
Nichthandeln nämlich käme bei derart offensichtlichem und wiederholtem Fehlverhalten seiner Behörde eigenem Handeln gleich.
[Update 22.07.2009, 11:13] Inzwischen gibt es eine Antwort des lieben Bürgermeister Neideck (CDU, das Amt für öffentliche Ordnung gehört zu seinem Ressort) auf die von Sebastian Müller (früherer Stadtrat von Junges Freiburg) gestellte Anfrage zum Bildungsstreik. Sie glänzt durch die üblichen schwammig-ausweichenden Formulierungen und geht selbstverständlich mit keinem Wort darauf ein, dass die von ihr zugrundegelegte Gefahrenprognose wohl mehr als nur ein bisschen überzogen war. Das Werk im Original gibt’s hier: [PDF, ca. 760 KB]
inzwischen eine Antwort des lieben Bürgermeister Neideck auf die
von Sebastian Müller (früherer Stadtrat von Junges Freiburg) gestellte
Anfrage zum Bildungsstreik, die durch die üblichen
schwammig-ausweichenden Formulierungen glänzt. Da das aus eingescannten
Seiten bestehende PDF-Dokument gute 8 MB groß