www.jugendschutzprogramm.de ist eine Webseite auf der sich Eltern einen Filter runterladen können, der dann wiederum den Zugang zu bestimmten jugendgefährdeten Seiten sperrt. Durchforstet man die Kategorien nach denen Seiten gesperrt werden, so scheint es sich hauptsächlich um Erotik zu handeln, weitere Kategorien: Gewalt, Glücksspiel, Drogen und politischer Extremismus. Neben einer Vollsperre gibt es auch noch die Möglichkeit, dass eine Webseite ab 14, 16 oder 18 frei ist.
Grünes Freiburg jedenfalls ist gesperrt. Ähnlich wie gruene.de und die Internetseiten von TAZ und Chaos Computer Club (siehe Hinweis von Till in den Kommentaren). Ab 14 zugänglich ist das Blog von Till Westermayer, dem ich den Hinweis auf die Seite und die Sperrungen verdanke. Nicht gesperrt sind Webseiten wie www.hans-filbinger.de, www.studienzentrum-weikersheim.de und die Homepage der DVU, aber auch die Seiten der anderen Parteien und Seiten von Freiburger Lokalpolitikern wie kai-klare.de, daniel-sander.de oder der Grünen Alternative Freiburg.
Bin mal gespannt was uns in deren Augen so gefährlich macht. Eine Anfrage warum wir gesperrt sind, habe ich natürlich gestellt.
UPDATE: Jürgen Christ auf www.liebesfibel.de hat sich das Jugendschutzprogramm einmal genauer angesehen und herausgefunden, dass die Seite von der „Fundorado GmBH“, einer Tochtergesellschaft der Freenet AG und der Orion Versand GmbH und Co. KG. Fundorado ist nach eigenen Angaben auf Premium Erotik spezialisiert.
UPDATE 2: Mittlerweile werden wir bei www.jugendschutzprogramm nicht mehr als gesperrt gelistet. Offensichtliche Schadensbegrenzung der Seite, die von zwei Erotikfirmen betrieben wird. Der Spiegelfechter fasst zusammen:
Der Verein ist unter der Postadresse der Fundorado GmbH zu erreichen und als Verantwortlicher wird ein gewisser Mirko Drenger genannt. Drenger ist Geschäftsführer der Fundorado GmbH, einer Tochtergesellschaft der freenet AG und der ORION Versand GmbH & Co. KG. Fundorado bezeichnet sich selbst als “Branchenprimus” für Sex- und Erotikangebote im Internet. Wer sich mit Fragen an JusProg e.V. wenden will, der muss dafür eine Brieffachadresse der Inter Content KG anschreiben. Inter Content KG ist einer der größten Anbieter von Pornographie im deutschsprachigen Teil des Internet. Das Unternehmen ist eine 100% Tochter der Bauer Verlagsgruppe, einem der größten deutschen Medienunternehmen.
Auf die Vorwürfe haben die Betreiber noch nicht reagiert, so ein Artikel bei Telepolis, der unter der schnittigen lateinischen Überschrift „Quis custodiet ipsos custodes?“ scharfsinnig schlussfolgert:
Mit derlei Willkür diskreditiert sich die Branche selbst. Wer seinen freizügigen Content gewinnbringend im Netz anbieten will, sollte dies nicht mit einem durchschaubaren Kreuzzug gegen missliebige politische Inhalte verbinden. Wer immer noch die Meinung vertritt, Jugend- und Kinderschutz habe nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sollte durch die Sperrliste von JusProg nun eines besseren belehrt sein.
Letztendlich zeigt diese Affäre, wie schnell es gehen kann, dass unter dem Deckmäntelchen des Jugendschutzes Zensur gegen Andersdenkende ausgeübt werden kann. JusProg ist zwar nur ein privater Filter, und als solcher nicht sonderlich relevant, auch wenn das Programm sogar bei Heise.de zum
Download angeboten wird und als einziges seiner Art bei einem Modellversuch der KJM teilnimmt. Filtermaßnahmen á la JusProg gelten jedoch im Fahrwasser weitergehender Sperrphantasien als Vorboten eines moderierten Netzes. Aber wer überwacht die Wächter?